Von Jegor Jublimov

    Ein Filmproduzent ist ein Ermöglicher. Er schafft die Bedingungen, dass die Filmemacher störungsfrei arbeiten können. Heutzutage ist dazu das Wichtigste,dass er die Finanzierung zusammenbekommt. Dieser Aspekt stand nicht so im Vordergrund, als Klaus Schmutzer, der am 5. September 70 wurde, in den siebziger Jahren an der HFF in Babelsberg Produktion studierte.

    Er hat eine ganze Weile im Hintergrund gearbeitet, wirkte in der Direktion der Filmfestivals in der DDR, gründete mit anderen beispielsweise das Neubrandenburger Dokumentarfilmfestival (dem Vorgänger der heutigen dokART). Er hatte Funktionen in dem damals riesigen Verband der Film- und Fernsehschaffenden der DDR und leitet bis heute die Geschäfte des Berliner Film- und Fernsehverbands, und das ehrenamtlich!

    Dass er sich traute, in den neunziger Jahren seine eigene Firma à jour-Film zu gründen, ist ein Glücksfall. Er ermöglichte aufregende Dokumentarfilme, beispielsweise von Andreas Voigt „Glaube, Liebe, Hoffnung“, und Spielfilme, wie Jutta Brückners „Hitlerkantate“ mit Hilmar Thate in seiner letzten Filmrolle. Auch sorgte er dafür, dass es 2012 genügend „Sushi in Suhl“ gab (mit Uwe Steimle).

    Vor allem aber ist es ihm zu verdanken, dass die Langzeitdokumentation über die einstigen Kinder von Golzow von Winfried und Barbara Junge mit einer Reihe von Filmen fortgesetzt werden konnte. Er wird gebraucht, und darum wird er sich auch noch nicht zur Ruhe setzen.

    achtung Berlin Festival vom 16.-20 September in einer 'light edition'

    Das achtung berlin Filmfestival findet vom 16.-20 September statt und geht wieder in die Kinos. Statt im April nun im September, und verkürzt,wird es dennoch vor Ort stattfinden, und zwar in einer 'light version':
    Mit weniger Vorstellungen, weniger Veranstaltungen und ohne Parties, aber mit Premieren, Filmgesprächen und Paneldiskussionen. Die diesjährigen Festivalkinos in Berlin sind Babylon, City Kino Wedding, ACUDKino, fsk - Kino am Oranienplatz, Wolf Kino, Lichtblick-Kino, Kino & Bar in der Königstadt.  

    Vom 20. bis 26. September findet das 28. Deutsche Kinder Medien Festival Goldener Spatz in kleinerem Rahmen in Gera & Erfurt sowie erstmals auch im digitalen Raum statt. Der Fokus liegt in diesem Jahr darauf, das Festival hauptsächlich für das junge Publikum auszurichten. Deshalb werden vor Ort in Gera Filmvorführungen für Kinder und Jugendliche sowie die Sichtungen der Wettbewerbsbeiträge durch die Kinderjury angeboten.
     
    Aufgrund der begrenzten Platzkapazitäten in den Kinos, können derzeit keine regulären Fachbesucher-Akkreditierungen ausgegeben werden. Dafür gibt es nun die Möglichkeit, das Festivalprogramm online zu erleben. Für interessierte Fachbesucher*innen wird eine Akkreditierung für das Online-Festival für 9,99 € angeboten. Unter folgendem Link kann man sich ab sofort bis 16. September akkreditieren – LINK.
     

    Nachdem der Prozess zur Novellierung des Filmfördergesetzes (FFG) bereits weit fortgeschritten war, hat ihn die Beauftragte für Kultur und Medien (BKM) mit Verweis auf Corona nun verschoben. Stattdessen soll das bestehende Gesetz mit minimalen Korrekturen bestehen bleiben. Wegen der Bundestagswahl hieße das: Erst 2024 kann ein novelliertes Gesetz in Kraft treten.

    In Antwort darauf hat der Verband der deutschen Filmkritik VDFK zusammen mit sechs weiteren Verbänden und Initiativen achtzehn dringende Fragen formuliert und in einer Pressemitteilung vom 18.08.2020 an die BKM gerichtet.

    Der BFFV schließt sich diesen Fragen an und verweist dafür auf die Pressemitteilung des VDFK. Einige der Fragen werden hier auszugsweise aufgeführt.

    von Karen Dohr

    Es ist eine Eigenart der Internet-Suchmaschinen, dass man mit großer Tendenz immer nur das dort findet, was man schon kennt und nur selten auf etwas stößt, das man nicht gesucht hat. Ähnliches gilt auch, wenn man im Internet auf den einschlägigen Streaming-Portalen nach dem Film des Abends sucht. Dabei kommt irgendwann die Frage auf, welche Art von Zuschauer das Kino erzeugt hat und welche Zuschauer durch das Internet produziert werden.

    Eine mögliche Antwort sähe so aus: Die erste halbe Stunde auf dem Streaming-Portal ist man damit beschäftigt unter der riesigen Auswahl genau das zu suchen, was man will. Gar nicht so leicht, wenn der Algorithmus Filme vorschlägt, die man sowieso schon kennt - oder ihre schlechten Kopien. Die zweite halbe Stunde tippt man dann Filmnamen in die Suchzeile. Aufregende, spannende, eigenartige oder alte Filme, die schon lange auf der Liste stehen - und die das einschlägige Streaming-Portal dann trotzdem nicht im Angebot hat.

    Von Sven Angene

    Mit Alterswerken ist das so eine Sache, gerade bei den „abgedrehten“ Regisseuren: Kompromisslos werden sie, aber manchmal erweist sich diese Kompromisslosigkeit eher als Träger von Renitenz denn von künstlerischem Furor. Während beispielsweise David Lynch mit Twin Peaks: The Return ein Meisterwerk abgeliefert hat, ist Alejandro Jodorowsky’s Endless Poetry zu einer langweiligen Verklärung der eigenen Biographie geronnen. Wo auf dieser Skala lässt sich da Ferrara einordnen? Nehmen wir hier nur Siberia und nicht Tomasso, Ferarras vorherigen Film, als Anhaltspunkt und schauen mal, worum sich Siberia denn überhaupt dreht.

    Von Sven Angene

    Tipografic majuscul (Uppercase Print) von Radu Jude ist ein Zitat von Michel Foucault vorangestellt. In diesem beschreibt er die Rigorosität, mit dem die komplexe Realität einer Zeit in Akten kondensiert und reduziert wird, und den Gewaltakt, den die Wissenschaft vornehmen muss, wenn sie sich dieser Zeit über die Akten nähert. Damit ist das Programm dieses Dokumentarfilms bereits auf den Punkt gebracht: Über die zwei Stunden Laufzeit hinweg verarbeitet Radu Jude kompromisslos zwei unterschiedlichen Formen von „Akten“, um einen kleinen Teil der Realität des sowjetischen Rumäniens zu extrahieren. Dabei handelt es sich einerseits um Unterlagen der Geheimpolizei, und andererseits – um den ganzen Kram, der im rumänischen Staatsfernsehen so lief. Und miteinander verschaltet bieten diese grundverschiedenen Archive den Schlüssel, sich gegenseitig zu verstehen. Das ist anspruchsvoll, vielleicht sogar bisweilen ein bisschen zäh, aber es funktioniert so gut, dass ich nicht umhinkann, hier eine kleine kulturwissenschaftliche Schwärmerei anzustimmen. Ihr seid gewarnt.

    Seite 1 von 15

    © 2017 Berliner Film- und Fernsehverband e. V. All Rights Reserved. Designed By JoomShaper

    Please publish modules in offcanvas position.