Von Janosch Angene

    Ist ein Film automatisch schlecht, wenn er stellenweise so eklig ist, dass es einem die Fußnägel hochrollt und man sich im Kino oft wünscht, woanders zu sein? Nein, auf keinen Fall. Im Fall des Goldenen Handschuh von Fatih Akin würde ich argumentieren, dass die angewiderten Reaktionen des Publikums (mich eingeschlossen) eher ein Qualitätsmerkmal sind. Am Ende bleibt für mich aber das Fragezeichen: war das grade nur eine abgefahrene Geisterbahnfahrt, oder bleibt hier wirklich was zurück?

    Der Buchvorlage von Heinz Strunk folgend, erzählt der Goldene Handschuh die Geschichte des Serienmörders Friedrich Honka (Jonas Dassler), der in den 70ern sein Unwesen in Hamburg trieb. Wie die Vorlage hat der Film sich aber auch auf die Fahne geschrieben, gleichzeitig eine Milieustudie zu sein, was für mich leider nicht komplett aufging.

    Von Sven Angene

    Chinesisches Kino wird auf Filmfestivals gerne durch eine ‚politische‘ Brille betrachtet: Jeder Film aus der Volksrepublik wird an seiner Antwort auf die Gretchenfrage nach der Systemkritik gemessen. Je klarer diese formuliert ist, desto wohlwollender wird der Film aufgenommen – außer natürlich, er wird von der Zensur kassiert, wie der diesjährige Wettbewerbsbeitrag Yi miao zhong (One Second) von Zhang Yimou, der aufgrund von „technischen Problemen“ abgesagt wurde (eine kritische Positionierung der Berlinale-Leitung hierzu steht übrigens noch aus, hust hust).

    Di jiu tian chang (So long, my Son) von Wang Xiaoshuai ist diesem Schicksal entgangen, und das ist ein Grund zur Freude, da der Wettbewerb mit ihm seinen wohl besten Beitrag verloren hätte. Und ja, natürlich ist der Film auch politisch, und ja, dazu werde auch ich einige Worte verlieren. Unabhängig davon funktioniert So long, my Son aber als zeitloses Meisterstück über die entzweiende Kraft von Verlust und Schuld und die Möglichkeiten, diese zu überwinden.

    Von Janosch Angene

    Filme über Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche gab es in den letzten Jahren ja schon einige. Nicht, dass das etwas Schlechtes wäre, im Gegenteil. Während Spotlight aber sehr nah an den außenstehenden Journalisten dranblieb, die die Missbrauchsfälle aufdeckten, und der exzellente El Club aus dem Jahr 2015 die Sicht straffälliger Priester erzählt, gibt François Ozon in Grâce à Dieu den Opfern von Missbrauch eine Stimme. Auch die Erzählstruktur und der Ton des Films hebt sich deutlich von vermeintlich vergleichbaren Filmen ab.

    Von Sven Angene

    Systemsprenger von Nora Fingscheidt ist ein Film, der sich viel Zeit nimmt, um auf den ersten Blick recht wenig zu erzählen. Ziemlich genau zwei Stunden lang beleuchtet er das Leben der titelgebenden ‚Systemsprengerin‘ Benni (Helena Zengel), einem neunjährigen Mädchen, das von Heim zu Heim und Erziehungsmaßnahme zu Erziehungsmaßnahme gebracht wird, nur um jedes Mal aufs Neue kurz darauf gewaltsam auszubrechen. Dabei wiederholt der Film beständig die zirkuläre Abfolge von Aggression zu Erschöpfung zu aufkeimender Hoffnung zu erneuter Aggression. Dieser gebetsmühlenartige Eskalationszyklus ist anstrengend und aufreibend anzuschauen, aber notwendig. Denn in der Wiederholung entfaltet Bennis Geschichte eine emotionale Schlagkraft, die es in sich hat.

    Aber nochmal auf Anfang (den es in einer Kreisbahn und dementsprechend auch im Film ja nicht so richtig geben kann):

    Von Constantin Hühn

     

    Das Motiv ist offensichtlich: ‚Freundliche Fremde‘ – welch besseres Motto in Zeiten wachsender Xenophobie. Über einen platten Aufruf, nett zu sein, kommt der Film von Lone Scherfig allerdings leider nicht hinaus. Dafür ist er so weichgespült, dass es weh tut.

    Dass und warum man von Eröffnungsfilmen nie viel erwarten sollte, hat ja Janosch bereits in seinem Beitrag aus Göteborg ausgeführt. Das hält mich allerdings nicht davon ab, immer wieder ins Staunen zu geraten, angesichts der wiederkehrenden Fehlgriffe eines Festivals wie der Berlinale, das den dezidierten Anspruch hat, ein politisches und kritisches Programm zu machen.

     

    Kino-Start: 17.01.2019

    Von Ulrike Schirm

    Es ist eins der Bilder, die man so schnell nicht vergisst. Zain, ein etwa 12-jähriger, schmächtiger Junge, zieht ein Baby im Armenviertel von Beirut hinter sich her. Es sitzt in einem Topf, befestigt auf einem alten Surfbrett. Sie sind auf der Suche nach Nahrung, nachdem die Mutter des Kindes schon seit einigen Tagen nicht mehr nach Hause gekommen ist. Niemand weiss, wo die Frau geblieben ist.

    Zain kann sein Alter nicht angeben, da seine Eltern das Geld für die Registrierung ihrer Kinder nicht haben und er somit offiziell gar nicht existiert. Der zarte Junge schuftet für Assad, der der armen Familie eine Bruchbude vermietet hat. Als Zain mitbekommt, dass seine geliebte 11-jährige Schwester Sahar an Assad verschachert werden soll, rastet er aus. Mit allen Mitteln versucht er, seine Schwester vor Assad zu beschützen.

    Da in einigen Tagen/Wochen einige Fristen für Förderungsanträge anstehen, finden sich im Folgenden einige Erinnerungen. Viel Erfolg bei den Anträgen wünscht der BFFV.

     

    Förderung durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (Kulturelle Filmförderung des Bundes)

    Produktionsförderung für Spielfilme: 10.01.2019

    Entscheidung: 12. KW

    Anträge an      Bundesarchiv,

                            Referat FA1 - Filmförderung,

                            Finckensteinallee 63, 12205 Berlin

                            www.kulturstaatsministerin.de

     

    Förderung durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (Kulturelle Filmförderung des Bundes)

    Produktionsförderung für Dokumentarfilme: 24.01.2019

    Entscheidung: 14. KW

    Anträge an      Bundesarchiv,

                            Referat FA1 - Filmförderung,

                            Finckensteinallee 63, 12205 Berlin

                            www.kulturstaatsministerin.de

     

    Mitteldeutsche Medienförderung

    Projektentwicklung, Produktion, Verleih und Vertrieb, Sonstige Vorhaben

    Einreichtermin: 17.01.2019 (Fördergespräch 07.01.2019)

    Beratung: 07.05.2019

    Anträge an      Mitteldeutsche Medienförderung

                           Hainstr. 17 – 19, 04109 Leipzig

                           Tel: 0341-269 87 0

    www.mdm-online-de

    © 2017 Berliner Film- und Fernsehverband e. V. All Rights Reserved. Designed By JoomShaper

    Please publish modules in offcanvas position.